Der Columnier: Minderheit ist Mehrheit – und umgekehrt

lindner

Geschätzte Lese-Bots!

Merkel hatte zwölf Jahre lang keine Lust, eine Politik zu machen; dafür hatte sie Lust, zu regieren. Immerhin! Denn nun findet es überhaupt keiner mehr „schnafte“ (Kollege Lobo), uns durchzuregieren. Ich frage mich Sie: Sind wir als Volk zu unattraktiv geworden, um beherrscht, reguliert, wenigstens in unserem Wählerwillen ignoriert zu werden?

Aber Bundespräsident Steinmeier wird die Kamele schon noch durchs Nadelohr fädeln. Die Minderheit, die dies politisch überlebt, bildet dann die Minderheitsregierung. Diese Minderheitsregierung wird freilich nicht mehr für Minderheiten tun, weil sie, Achtung: Paradox!, dennoch Mehrheiten benötigt. Dafür darf es künftig eine „wechselnde Mehrheit“ sein, will sagen: Wenn Merkel mal ein Gesetz z.B. über Erziehungsmethoden oder Pferdedomestizierung durchpeitschen will, ist es nicht mehr Privileg der SPD, wider ihre Überzeugung die Mehrheit zu beschaffen. Auch Grüne, FDP, Linke und sogar die Nazis von der AfD dürfen hin und wieder für den demokratischen Determinismus eintreten: Demokratie ist das Recht, sich zur Mehrheit zu bekennen und die dabei störende Minderheit zu identifizieren. Sich „Minderheit“ schimpfen zu lassen, liebe Bürger und Bürger, ist das Opfer, das Merkel erbringen wird. Damit wir nämlich nicht mehrheitlich von Minderheiten wie unterdrückten Kopftuchfrauen und Fremdwölfen bedroht und überstimmt werden! Mehr oder minder, sage ich Ihnen.

Sollte ich nun mit meiner Vermutung recht haben, dass dieser Text zu kompliziert für Sie war, minderbemittelteheitsskeptische Mehrheit, denken Sie einfach mal hierüber nach: Wir wären nicht Deutschland, wenn wir nicht Deutschland wären!

Hochachtungsvoll: Ihr Columnier

Miniaturen in Moll: Bildung

Ohne Bildung gelingt keine Schöpfung. Der Architekt braucht den Maurer und der Freimaurer den Innenarchitekten – um eine Großloge zu bilden. Ohne Bildung blieben Dubai Eye und der Turm zu Babel pure Pläne, Modelle und Bilder. Wo die Bilder nicht mehr schön, weil Straßen kaputt sind, braucht es mehr Bildung. Und wo kaum noch Menschen sind, Familienbildung („Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, Kästner). Thema Nachwuchsbau: Ingenieurs-Studiengänge widmen sich der Bildung. Dabei müssen Bildungszentren selbst erst gebildet werden. Wo jedoch die Bildungsmaschine versagt, bringt Fortbildung sogar bewährte Baustellen noch voran. Ohne Baustellen bilden Fakten die Grundlage der schulischen Bildung, nämlich wenn x Schulen fehlen. Alternative zum Bauen: Einbildung ist auch eine Bildung. Schlussendlich noch besser als Bildung ist Ausbildung, weil sie den Freiraum komplett verbaut.