Miniaturen in Moll: Bildung

Ohne Bildung gelingt keine Schöpfung. Der Architekt braucht den Maurer und der Freimaurer den Innenarchitekten – um eine Großloge zu bilden. Ohne Bildung blieben Dubai Eye und der Turm zu Babel pure Pläne, Modelle und Bilder. Wo die Bilder nicht mehr schön, weil Straßen kaputt sind, braucht es mehr Bildung. Und wo kaum noch Menschen sind, Familienbildung („Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, Kästner). Thema Nachwuchsbau: Ingenieurs-Studiengänge widmen sich der Bildung. Dabei müssen Bildungszentren selbst erst gebildet werden. Wo jedoch die Bildungsmaschine versagt, bringt Fortbildung sogar bewährte Baustellen noch voran. Ohne Baustellen bilden Fakten die Grundlage der schulischen Bildung, nämlich wenn x Schulen fehlen. Alternative zum Bauen: Einbildung ist auch eine Bildung. Schlussendlich noch besser als Bildung ist Ausbildung, weil sie den Freiraum komplett verbaut.

Miniaturen in Moll: Gurken

Gurke: ein Lebensmittel, dem trotz Zugabe von Nährstoffen durch die Natur aktuell keine Chancen eingeräumt werden, in die Liga des Superfoods aufzusteigen. Dafür gilt die Gurke als eine der wenigen Fressalien, von denen man mit zunehmender Verzehrmenge (abnehmend) schlanker wird. Zwar überzeugt die Gurke durch ihren Wasserreichtum, und Wasser schickt sich an, zum SuperDrink befördert zu werden, doch steht der Umweg von der Gurke zum Aqua einer entsprechenden Aufwertung entgegen.

Gleichwohl hat eine üble Laune der Natur das Kürbisgemüse Gurke in atypische Stabform gepresst und damit doch in Functional Food verwandelt: ein voll befriedigendes Gewächs für Solosex. Dafür ist umstritten, ob die Intim-Applikation einer Gurke auch der sachgerechten Ernährung der Vaginal-Flora dienlich ist, ob die Gurke hier die Doppelfunktion Health + Wellness zu vereinigen vermag. Indes: als eine von ca. drei Millionen Bezeichnungen für das männliche Geschlechtsteil (lateinisch cucumis sativus = mit Samen gefüllter Badekessel) eignet sich die Gurke nur so lange, wie sich das bezeichnete Organ im Aggregatzustand der Festigkeit befindet. Ansonsten ist das in Fachkreisen Kukumer genannte Naturfabrikat ein wabbliger Fisch. Andererseits erfreut die Gurke in ihrer transgenen Variante ein Queer-Publikum.

Gurken sind aber auch eine jenseits ihrer Gegenständlichkeit vielfach überstrapazierte Metapher – für ein Europa, das sich nicht verbiegen lässt, wenn Deutschland ihm eine ordentliche Zucht verordnet und damit dem anarchischen Wildwuchs der Natur Einhalt gebietet. Ergebnis: die europäische Normgurke konkurriert mit den individualisierten Gurken aus den Craft-Werkstätten des Spreewalds. Wem die eine oder andere mundet, für den gilt: ein Fass aufmachen.