Pro und kontra Pro-und-kontra-Debatten

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Liebe Debattennehmende!

Im deutschen Meinungswesen ist ein heftiger Streit entbrannt. Ein Streit, ob es anständig oder unanständig gewesen sei, dass Die Zeit  allen ernstes das Für und Wider der Rettung tausender Menschen im Mittelmeer eruiert hat.

Als Columnier, der sich zur Aufgabe gemacht hat, das jeweilige Debattenniveau, wie schlimm es auch sein möge, noch zu unterbieten, möchte ich nicht herausarbeiten, dass Caterina Lobensteins und Mariam Laus „Seenotrettung oder soll man es lassen“ sachlich äquivalent zu „Pro und kontra Arschlochsein“ ist. Nein, vielmehr möchte ich das Thema künstlich, und ohne dass meinerseits neue Gedanken drohen, auf eine Metaebene heben.
Ein Kollege mag sie von dort auf den Boden der Tatsachen (Meeresgrund, Strand) zurückholen.

Ihr schrecklichst schreibender Columnier

Pro und kontra Pro-und-kontra-Debatten

Pro

  • Es muss gemacht werden.
  • Wenn ich es nicht mache, macht es jemand anderes – z.B. einen Genozid.
  • Je alternativloser etwas ist (Menschen ertrinken lassen), umso wichtiger ist es, dennoch aufzuführen, dass die Kontra-Argumente zu kurz greifen.
  • Priming und Framing: Was per „Pro und kontra“-Format als ausgewogen daherkommt, wird in der dezidierten Aussage, auf die es schließlich hinausläuft, viel eher als Pro-Meinung akzeptiert.

Kontra

  • „Pro und kontra“ stellt eine Vorform des brainlastigen Konzepts der „Dialektik“ dar, und Dialektik ist für die Leserschaft überkomplex.
  • „Pro und kontra“ suggeriert, dass die betreffende Frage offen sei. Tatsächlich sind Antworten beliebter als Fragen. Also lieber einfach Antworten und Lösungen  liefern.
  • Kontraargumente reichen aus, denn Widerborstigkeit stärkt die Identität.
  • „Egal, woran Sie glauben, was Sie gut finden, wem Sie vertrauen oder wen sie bewundern – wir sind dagegen!“

Schwarzrotgold

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Liebe Deutschende!

Ab heute gibt es nur noch die Farben Schwarz, Rot und Gold. Daraus ist alles gemacht, was unser Deutschland zum Premiumland des Planeten macht: Schwarz der Farbfilter, durch den wir die Welt betrachten*, Rot die Farbe der Emotion – die sinnbildliche rote Karte für den Ausländer, der gegen D ein Tor schießt oder unter Lebensgefahr nach D flieht. Und in Gold kolorieren wir unsere Geschichte nach. Wenn wir dann Schwarz, Rot und Gold mischen, entsteht Braun – die Farbe der Erdung und der Erde, aus der wir alle gemacht sind, und zu der alles wird (vermöge unserer tapferen Panzer),  wenn wir demnächst wieder eine braune Regierung haben.

Doch noch regiert die Vielfalt in der Farbgebung. Alles, was wir kaufen, ist schwarzrotgold veredelt: von der Windel bis zum Klopapier, vom Schlüpfer bis zum Tschurifetzn („Samentuch“) – wir schwitzen, schneuzen, verdauen, kommen in unsere geliebten D-Farben.

Vier Wochen lang ist nun der sonst mitunter noch verpönte Mentalzustand des Ballaballa sozial erwünscht, ja befohlen. In Schland kommt unser sich sonst in Kulturzweikämpfen (pro, kontra, mir egal: Zivilisation) aufreibendes Volk wieder zusammen: die Fußballer (inkl. Linksaußen), die Feierpeople und die Ultranazis. Mögen wir alle, Bundestrainer in spe, die wir sind, uns im Streit um die richtige Taktik wieder zusammen raufen! Möge dabei der bessere gewinnen! Sport frei!

Mit deutschem und mit antideutschem Gruße:
Der Columnier

 

* vergleiche: linke Verweigerer der Realität, die z.B. nicht einsehen wollen, dass der bekanntlich ebenfalls linke Verkehrsminister Scheuer die Automobilindustrie mit dem angebl. „Dieselskandal“ schikaniert.

Wenigstens am Männertag!

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Sehr verehrte Damen Männer und Herren!

heute ist Euer unser Tag, der einzige Tag im Jahr, der vorm Durchgendern safe ist*. An einem Tag wie diesem können wir einfach Mann sein, ohne uns weibische Fragen gefallen lassen zu müssen – z.B. die, was Mannsein überhaupt sei**. Die Gesellschaft erwartet an 364 Tagen im Jahr von uns, dass wir in jeder Rolle brillieren, die sie uns aufzwingt: der Macher und charismatische Boss im Job, der Dauerhengst im Bett***, der sensible Partner (der der Frau den Frauenabend nachsieht), die Vaterfigur,  die das Yang aus den Kindern hervorprügeltkitzelt u.u.u.

Was bleibt uns Männern heute bei diesen multiplen Erwartungen – gemacht, um uns zu erdrücken? Wir verdienen zwanzig Prozent mehr als gleichqualifizierte Frauen, doch wird der Wert des Geldes immer mehr moralisch entwertet. Das ideologisch belastete Geld liegt uns zunehmend schwer auf Konto und Seele. Gleichzeitig steigen ideelle Werte im Kurs, aber bei denen sind uns Frauen meilenweit enteilt: Achtsamkeit; du bist, was du denkst; optimiere den Genuss im Hier und Jetzt. Frauen haben längst alle Allgemeinplätze besetzt! Und damit wir nicht gegen das Matriarchat aufbegehren sollen, gibt es jetzt eigene Magazine für uns wie „Beef„, die vorgeben, sich unseren Bedürfnissen zu widmen. Wenn dann trotz noch so viel artgerechtem tierischen  Eiweiß unser Astralkörper nicht immer funktioniert, wie es das frauendominierte System vorsieht, kriegen wir zum Schaden noch den Spott dazu („Männerschnupfen“)!

Müßig zu ergänzen, dass die (sic!) internationale Verschwörung gegen den Segen des einzigen Auswegs, des Alkohols, eine weibliche ist (aus Neid auf unsere leistungsfähigere Leber). Aber heute am Männertag ist Alkohol unbegrenzt erlaubt, ja verpflichtend! Alkohol ist ein doppelter Segen: 1. befreit er uns von den Hemmungen und der Selbstverleugnung, mit der uns die weibische Gesellschaft die archaische Identität rauben will. 2. nimmt er uns die Verantwortung für alles, was wir unter seiner Wirkung tun. Einfach gesagt, falls Du schon Deiner Trinkkomapflicht nachgekommen bist: Tu einfach alles, wonach Dir ist. „Es gibt nichts Gutes, außer Mann tut es!“ (Erich Kästner, Mann)

Liebe Leser! Wenn Alkohol wirklich die Lebenserwartung um zwanzig Jahre verringert, so erspart er uns hintenraus viele anstrengende Dialoge mit unserer „besseren Hälfte“ über Fragen von Leben und Tod. Denkt heute dran, Männer: Um diese Last von uns zu nehmen, ist Jesus einst schon mit ca. 35 in den Himmel gefahren!

Es grüßt Euch mit einem solidarischem Prost und #metoo:
Der Columnier

 

* Hoffentlich kommen die Frauen nicht auf die Idee, den Muttertag zum „Frauentag“ umzudeklarieren!
** Antwort: auf so einen Quatsch nicht zu antworten
*** minimal geforderte Zensur: voll befriedigend

 

Der Columnier: Ich esse, also bin ich

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Freunde des funktionalen Speisens!

Man ist, was man isst. Schon der unselige Franz Josef Strauß bekam dies für sein dem Schweinefleischkonsum entsprechendes Aussehen attestiert (von einem Muslim). Heute aber sind wir Menschen so weit, dass wir durch unsere Ernährungsweise Äußeres wie Inneres bewusst steuern können. So haben Tieresser meist selbst mehr Fleisch am Körper, während Veganer oft wie zarte Pflänzchen daherkommen.

Essen, liebe unterschichtsskeptische Leserschaft, ist als Distinktionsmerkmal so effektiv wie Baklawa als Intervention gegen Unterzuckerung. Schon vegane und an teures Biofood gewöhnte Kinder wissen ihre prekär aufwachsenden und Fleisch essenden Kindkollegen zu verachten. Der despektierliche Blick eines dreijährigen Aroniabeer-Apologeten auf den gummibäressenden Knirps besagt „ich fresse dich!“.

Essen, liebe Essende, spendet neben all dem, was es an Stoffen enthält, ganz, ganz viel Sinn. Zucker, Fette, Eiweiße, Weizen, Milchprodukte u.u.u. – in welcher Form was gut oder schlecht ist, bietet mehr Interpretationsspielraum als die Kochkünste von Tim Mälzer. Nirgendwo wirkt die Wirkerwartung so sehr wie bei der Ernährung. Ergebnis: Jeder darf den erwarteten Effekt spüren! Während Fleischverweigerer mit Nussbraten und Sojabeef ihre moralische Überlegenheit nähren, füttert ihr Dogmatismus die Reaktanz der Fleischvertilger. Meint: Streit übers Essen tut uns allen gut und hält somit die Gesellschaft zusammen!

Wer sich nun, liebe Vegetarier, Veganer, Flexitarier, Frutarier, Pescetarier und Omnivoren unter Ihresgleichen nicht individuell genug fühlt, der schmiere den anderen in der food group bei jeder Gelegenheit seine ganzen Unverträglichkeiten aufs Brot. Merke: Der Satz „ich bin ich!“ drückt maximale Individualität aus. Sie erkennen es daran, dass man die Aussage ständig liest! Bald so oft wie das tausendfach abgeschmackte „lecker“.

Nachhause-mitnehm-Botschaft für die Tupperschüssel: Essen ist die bessere Religion, weil es das Heilsversprechen schon für das Hier und Jetzt gibt.

Auf dem Weg zum Imbiss in die Molekularküche:
Ihr Columnier

 

 

Der Columnier: Avenidas des metoo

 

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Verehrte Debattennehmer_ix!

Ausgemacht dumme Diskussionen, die den geschätzten KollegenInnen den Meinungsvorrat dezimieren, rufen einen Impuls in mir hervor, der da lautet: #metoo! Damit will ich jetzt nicht den Fäkalienwind, der Zipfelschwingern wie Dieter Wedel völlig zurecht ins Gesicht weht, relativieren (zu einem trockenen Gedankenfurz). Meine Solidarität gilt vielmehr neben den missbrauchten Frauen auch den Kollegen_ix, die gar nichts dafür können, dass sie folgende recht einfache Dialektik nicht zustande bringen: Frauen zum Objekt seiner Melange aus Macht und egozentrischer Bosheit zu degradieren, ist falsch. Per se nicht falsch ist es, Frauen zum Objekt seiner Sprache zu machen. Doch Dialektik ist zurecht nicht mehr Gegenstand journalistischer Ausbildung, das Wort klingt verdächtig intellektuell, und da ist es nicht mehr weit zu Linksgrünversifftheit à la Merkel.

Aber ganz langsam, von Influencer zu Influenzten: Eugen Gomringer hat irgendwann im letzten Jahrtausend ein Gedicht geschrieben. Darin will er es Ihnen, überforderte Leser, nicht zu schwer machen, zählt nur auf simpelste Weise, mit lockeren „y“ = „und“ verbunden, auf, was ihm gefällt: zunächst Straßen und Blumen. Vielleicht liket er sogar eine Blumenstraße.  Nun aber kommt’s: Gomringer gefallen, er, schämt sich nicht, sich im Gedicht zu outen, Frauen! Nun wissen wir nicht, welchen Platz Frauen in der Liste 1. Straßen, 2. Blumen, 3. Frauen einnehmen. Last, but least? Und mag Gomringer Kombinationen seiner Vorlieben mehr als die Summe ihrer Teile? Sind ihm zum Beispiel Straßenfrauen lieber als Frauen in Straßen, und ist eine Straßenfrau, die Blumen verkauft, likenswerter als eine Straßenfrau neben einem Blumenladen?

In jedem Fall handelt es sich um Sexismus, denn der Leser kann leicht schließen: Frauen anziehend zu finden ist notwendige Bedingung, um eine Figur wie Wedel zu werden. Und da haben wir es schon!

Das Schöne an Gedichten ist ja, dass jeder sie so interpretieren kann, wie es seine/ihre Meinungsarchitektur im Gehirn gebietet.

Sagt Ihnen als Admirador seiner selbst:
Der Columnier

Der Columnier: Minderheit ist Mehrheit – und umgekehrt

lindner

Geschätzte Lese-Bots!

Merkel hatte zwölf Jahre lang keine Lust, eine Politik zu machen; dafür hatte sie Lust, zu regieren. Immerhin! Denn nun findet es überhaupt keiner mehr „schnafte“ (Kollege Lobo), uns durchzuregieren. Ich frage mich Sie: Sind wir als Volk zu unattraktiv geworden, um beherrscht, reguliert, wenigstens in unserem Wählerwillen ignoriert zu werden?

Aber Bundespräsident Steinmeier wird die Kamele schon noch durchs Nadelohr fädeln. Die Minderheit, die dies politisch überlebt, bildet dann die Minderheitsregierung. Diese Minderheitsregierung wird freilich nicht mehr für Minderheiten tun, weil sie, Achtung: Paradox!, dennoch Mehrheiten benötigt. Dafür darf es künftig eine „wechselnde Mehrheit“ sein, will sagen: Wenn Merkel mal ein Gesetz z.B. über Erziehungsmethoden oder Pferdedomestizierung durchpeitschen will, ist es nicht mehr Privileg der SPD, wider ihre Überzeugung die Mehrheit zu beschaffen. Auch Grüne, FDP, Linke und sogar die Nazis von der AfD dürfen hin und wieder für den demokratischen Determinismus eintreten: Demokratie ist das Recht, sich zur Mehrheit zu bekennen und die dabei störende Minderheit zu identifizieren. Sich „Minderheit“ schimpfen zu lassen, liebe Bürger und Bürger, ist das Opfer, das Merkel erbringen wird. Damit wir nämlich nicht mehrheitlich von Minderheiten wie unterdrückten Kopftuchfrauen und Fremdwölfen bedroht und überstimmt werden! Mehr oder minder, sage ich Ihnen.

Sollte ich nun mit meiner Vermutung recht haben, dass dieser Text zu kompliziert für Sie war, minderbemittelteheitsskeptische Mehrheit, denken Sie einfach mal hierüber nach: Wir wären nicht Deutschland, wenn wir nicht Deutschland wären!

Hochachtungsvoll: Ihr Columnier

Der Columnier: wo Jamaika jetzt hin muss

einauge


Liebe Lesende!

Würden Chirurgen so lange sondieren wie Union, FDP und Grüne, eine OP bräuchte Wochen, ehe eine Sonde die Stelle erreichte, die uns im Magen drückt. So lange lässt sich kein Patient Wähler betäuben ruhigstellen!

Jetzt gilt es, liebe Leser. Jetzt müssen die Kompromisslinien zusammen geklebt, die Cläms in Blei gegossen werden. Die Knackpunkte gehören gebrochen und die Gordischen Knoten geknüpft. Jetzt muss endlich Butter im Schacht, Schicht bei den Fischen sein!

Konkret: wie kann Jamaika gelingen?

  • Gesamtkonzept: Union und FDP müssen linke Kröten (Froschschenkel) schlucken.
  • Ausländer und Klima bekommen für ein erträgliches Koalitionsklima die Grenzen aufgezeigt.
  • Verkehr: SUVs werden durch Grünlack-Pflicht mit der grünen Radlerseele versöhnt. Fußgänger dürfen mit Elektroautos fahren, wenn sie die Gehsteig-Maut bezahlen.
  • Bildung und Digitalisierung: Kinderhirne werden zu Hybriden aufgerüstet; Festplatten-Implantate gewährleisten, dass noch mehr Fakten in die kleinen Menschen passen.
  • Außenpolitik: Krieg heißt künftig Waffendiplomatie und Ungerechtigkeit Lebensrisiko.

Sie sehen, liebe Politik-Nehmende: ein bisschen Originalität, ein Schuss knallige Rhetorik, und schon wird Jamaika ein Feuerwerk der guten Laune! Notfalls beginnt halt die Koalition mit der Cannabisfreigabe bei sich selbst.

Gerngeschehen:
Ihr Columnier