Pro und kontra Pro-und-kontra-Debatten

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Liebe Debattennehmende!

Im deutschen Meinungswesen ist ein heftiger Streit entbrannt. Ein Streit, ob es anständig oder unanständig gewesen sei, dass Die Zeit  allen ernstes das Für und Wider der Rettung tausender Menschen im Mittelmeer eruiert hat.

Als Columnier, der sich zur Aufgabe gemacht hat, das jeweilige Debattenniveau, wie schlimm es auch sein möge, noch zu unterbieten, möchte ich nicht herausarbeiten, dass Caterina Lobensteins und Mariam Laus „Seenotrettung oder soll man es lassen“ sachlich äquivalent zu „Pro und kontra Arschlochsein“ ist. Nein, vielmehr möchte ich das Thema künstlich, und ohne dass meinerseits neue Gedanken drohen, auf eine Metaebene heben.
Ein Kollege mag sie von dort auf den Boden der Tatsachen (Meeresgrund, Strand) zurückholen.

Ihr schrecklichst schreibender Columnier

Pro und kontra Pro-und-kontra-Debatten

Pro

  • Es muss gemacht werden.
  • Wenn ich es nicht mache, macht es jemand anderes – z.B. einen Genozid.
  • Je alternativloser etwas ist (Menschen ertrinken lassen), umso wichtiger ist es, dennoch aufzuführen, dass die Kontra-Argumente zu kurz greifen.
  • Priming und Framing: Was per „Pro und kontra“-Format als ausgewogen daherkommt, wird in der dezidierten Aussage, auf die es schließlich hinausläuft, viel eher als Pro-Meinung akzeptiert.

Kontra

  • „Pro und kontra“ stellt eine Vorform des brainlastigen Konzepts der „Dialektik“ dar, und Dialektik ist für die Leserschaft überkomplex.
  • „Pro und kontra“ suggeriert, dass die betreffende Frage offen sei. Tatsächlich sind Antworten beliebter als Fragen. Also lieber einfach Antworten und Lösungen  liefern.
  • Kontraargumente reichen aus, denn Widerborstigkeit stärkt die Identität.
  • „Egal, woran Sie glauben, was Sie gut finden, wem Sie vertrauen oder wen sie bewundern – wir sind dagegen!“

Heimat-Horstl: ein stolzes Herz geht irr

irr
Horstl, seines Zeichens Bauer vom Innenhof, war gepeinigt von Großbäuerin Angelas festem Willen, ihr Herz nicht komplett für die verstoßenen Knechte vom Lechnerhof zu verschließen. So fuhr er in die ferne Stadt Berchtesgaden, um den Goaßl- und den Viehdreschbauer auf seine Seite zu ziehen. Die mochten nämlich auch keine notleidenden Knechte. So standen sie Horstl sogleich mit Dreschflegel und Dreizack bei.
Dies teilte der Innenhof-Bauer Horstl, zurück dahoam, der Großbäurin Angela mit. Doch die zeigte sich wenig beeindruckt von der Gefahr ferner Dreschflegel. Da fuhr Horstl erneut nach Berchtesgaden, auf dass der Viehdresch- und der Goaßlbauer ihn mit noch größerer Drohkulisse auststatteten. Doch auch das Dräuen mit dem Auskippen der gesamten Frühlingsernte an Dünger auf dem angelaschen Hofe vermochte auf die Großbäurin keinen Eindruck zu machen. Ihr Hof sei bei weitem groß genug, um dies auszuhalten.
So fuhr Bauer Horstl hin und her, verkündete im Dorfe seinen Rücktritt vom Amte des Bauern, falls er den geflüchteten Knechten Brosamen abgeben müsse, und dementierte dies wieder, als auch dies Angela nicht beeindruckte. Denn in Wahrheit wollte er Bauer vom Innenhof bleiben, schon um immer weiter Theater machen zu können.

– Das Drehbuch dieses Theaterstücks fiel leider beim Schlierseer Bauerntheater durch. Begründung: Niemand fühle nach all dem Theater mit dem Protagonisten noch mit. Und überhaupt sei der Protagonist doch vielmehr ein Antagonist.