Der Columnier: Avenidas des metoo

 

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Verehrte Debattennehmer_ix!

Ausgemacht dumme Diskussionen, die den geschätzten KollegenInnen den Meinungsvorrat dezimieren, rufen einen Impuls in mir hervor, der da lautet: #metoo! Damit will ich jetzt nicht den Fäkalienwind, der Zipfelschwingern wie Dieter Wedel völlig zurecht ins Gesicht weht, relativieren (zu einem trockenen Gedankenfurz). Meine Solidarität gilt vielmehr neben den missbrauchten Frauen auch den Kollegen_ix, die gar nichts dafür können, dass sie folgende recht einfache Dialektik nicht zustande bringen: Frauen zum Objekt seiner Melange aus Macht und egozentrischer Bosheit zu degradieren, ist falsch. Per se nicht falsch ist es, Frauen zum Objekt seiner Sprache zu machen. Doch Dialektik ist zurecht nicht mehr Gegenstand journalistischer Ausbildung, das Wort klingt verdächtig intellektuell, und da ist es nicht mehr weit zu Linksgrünversifftheit à la Merkel.

Aber ganz langsam, von Influencer zu Influenzten: Eugen Gomringer hat irgendwann im letzten Jahrtausend ein Gedicht geschrieben. Darin will er es Ihnen, überforderte Leser, nicht zu schwer machen, zählt nur auf simpelste Weise, mit lockeren „y“ = „und“ verbunden, auf, was ihm gefällt: zunächst Straßen und Blumen. Vielleicht liket er sogar eine Blumenstraße.  Nun aber kommt’s: Gomringer gefallen, er, schämt sich nicht, sich im Gedicht zu outen, Frauen! Nun wissen wir nicht, welchen Platz Frauen in der Liste 1. Straßen, 2. Blumen, 3. Frauen einnehmen. Last, but least? Und mag Gomringer Kombinationen seiner Vorlieben mehr als die Summe ihrer Teile? Sind ihm zum Beispiel Straßenfrauen lieber als Frauen in Straßen, und ist eine Straßenfrau, die Blumen verkauft, likenswerter als eine Straßenfrau neben einem Blumenladen?

In jedem Fall handelt es sich um Sexismus, denn der Leser kann leicht schließen: Frauen anziehend zu finden ist notwendige Bedingung, um eine Figur wie Wedel zu werden. Und da haben wir es schon!

Das Schöne an Gedichten ist ja, dass jeder sie so interpretieren kann, wie es seine/ihre Meinungsarchitektur im Gehirn gebietet.

Sagt Ihnen als Admirador seiner selbst:
Der Columnier

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