Was wir über Martin Chulz nicht wissen

  • chulz

Einen Abend allerseits!

Martin Chulz (geboren Schulz) ist ein zweimal unbeschriebenes Blatt. Erstens, weil er einst als Oberbürgermeister Würselens noch keinen politischen Flurschaden in Deutschland für sich verbuchen konnte. Zweitens, weil Chulz danach im Europaparlament nur Chef von Protokoll, Gesetzeslotterie und Krawattenordnung, somit von Inhalten freigestellt war. Auf ein unbeschriebenes Blatt, wir wissen es aus der Schule, gehören Buchstabenfolgen, vulgo: Wörter. Da soll alles drauf, was wir glauben, hoffen, lieben hassen. Einige von Ihnen, meine Leser, haben allerdings im Deutschunterricht nicht aufgepasst vom Endsieg geträumt und werden infolgedessen heute ob Ihrer rechtschreibskeptischen Netzkommentare zum Opfa von Hasskommentaren. Doch Sie können, statt Sprache zu verwenden, das Blatt auch mittels buntester Farben resp. Pech und Schwefel vom nichtssagenden Weiß befreien.
Sie alle mögen im September Chulz wählen, weil Sie von ihm Weltfrieden/Gehaltserhöhung/Status quo/Barbarei erwarten. Im Gegenzug wird Chulz sich bereit erklären, Ihre Stimme anzunehmen. Ein sauberer Deal, wie ich finde.

Martin Chulz, liebe Meinungsnehmer, ist für uns Kolumnisten der Traumkandidat. Wir brauchen nämlich nichts über ihn zu wissen, weil es über ihn nichts zu wissen gibt. Dieses Vakuum können wir mit allem füllen, was uns Verbalonanisten Schriftgelehrten im Alltag sowieso durch die Birne wabert. Schludert Tippt z.B. meinereiner die Kolumne herunter, ehe es im Saunaclub richtig zur Sache geht, sinniert er über Chulzens Schwitzpotenzial im Wahlkampf. Da wird Chulz nämlich zeigen müssen, wie tatkräftig er die Ärmel hochkrempeln kann, wenn Scheinwerfer und Julisonne ihm einheizen. Oder andersherum, wie hart er sich schlägt, wenn ihm im Eifer des Wahlkampfbattles eisige Würfel aus dem Schampuskübel gereicht werden. Wird Chulzens karierter Blick den kleinkarierten Fragen der inquisitorischen TV-Talkerin Maybrit Maischberger standhalten? Werden seine Imagedesigner ihm beibringen, wie der Augenausdruck das einstudierte Lächeln der Mundpartie fachgerecht zu begleiten hat? Gibt es schon eine App für die KassenDesignerbrille, die seine sensiblen Sehorgane zum Leuchten bringt, wenn statt faktischer Sachkenntnis mal Emoskills gefragt sind?

Nach diesem, Ihrem sparsamen Geist geschuldeten Geplänkel, werden Sie jetzt völlig zurecht einfordern, dass ich klare Kante ins Sujet werfe, dass ich Ihnen endlich sage, was Sache ist! Martin Chulz, liebe Volkskameraden, hat im europäischen Parlament bewiesen, dass er die Vertreter sämtlicher EU-Völker im Griff hat wie ein preußischer General eine Armee willenloser Soldaten. Dreihunderttausend Gesetze, Verordnungen und Einkaufslisten (geschätzt) wurden unter seinem Regiment durchgewunken – ohne dass das Stimmvieh der Abgeordneten überhaupt gewusst hätte, für gegen was es da votiert hat. Jetzt ist es an der Zeit, dass Chulz den Regelungswahn die Gründlichkeit heim ins Reich in unser Vaterland zurück bringt. Wir Deutsche überlassen nämlich nichts dem Zufall. Wenn Gott demnächst würfelt, wird Chulz die Hand Gottes lenken!

Nun, devote Leser, habe ich Sie so weit indoktriniert, dass Sie bereit sind, einen knallharten Alternativlos-Fakt über Martin Chulz entgegen zu nehmen. Dieses Faktum tut zwar nichts zu keiner Sache, wird Sie aber dennoch interessieren, weil ich ihnen dies befehle. Martin Chulz ist in der SPD!

Mit solidarischen beliebigen Grüßen,
Ihr Columnier

 

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