Alles über nichts

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Kolumnist zu sein ist knallharte Arbeit. In diesem Moment zum Beispiel fordern gerade meine beiden Jungkatzen Streicheleinheiten ein, dito die Praktikantin, die von hinten her an mir herummacht; und dabei verwickelt mich auch noch meine Alte Gattin in einen Monolog über geistige Treue. Dabei gehört, liebste Leserschaft, meine komplette Aufmerksamkeit selbstverständich Ihnen, die Sie einen Anspruch darauf haben, die Welt von mir so dokumentiert zu bekommen, wie es Ihnen mir gefällt. Heute ist die Kolumne leider ein ganz fleischloser Knochen,  der trotz kompletter Ideenlosigkeit durchgekaut werden will. Da ich aus privaten Gründen keine Zeit hatte, die Nachrichten zu konsumieren, müssen Sie heute mit dem Content kompletter Inhaltslosigkeit vorlieb nehmen.

Dabei ist das Nichts ein Thema Themenkomplex, in dem sich die Diffizilitäten zu einem Konglomerat verkleben wie sonst nur masselose Teilchen, die versuchen, die Stringtheorie darzustellen. Falls Sie dieses Bild unverständlich finden, machen Sie sich einfach selbst eines (für irgendwas). Konkretes Beispiel: Das Trinken destillierten Wassers hat keineswegs keine Wirkung (abgesehen von der Blasenerweiterung), sondern pumpt so viel Vakuum in Ihre Zellen, dass diese implodieren. Dadurch werden Sie jedoch zu Nichts – sogar zu Nichts plus einem unstrukturierten Atomhaufen, der sich mit der Systematik des puren Zufalls im Weltall verteilt.

So weit, so verwirrend. Schon vor 1600 Jahren ließen die Maya ihren größten Hohlkopf die Zahl 0 erfinden. In der Folge konnte es Nullrationen, Nullsummenspiele, Nullnachrichten und Nullkolumnen geben. Schrödingers Katze vermochte durch Anwendung der Idee der Nichtigkeit von ihrem Schwebezustand zwischen tot und lebendig erlöst und mittels Blackbox ins Nirvana transportiert werden. In der Philisophie, hohlistisches Publikum, lässt die Frage nach dem Nichts den Quälgeist des Seins aus der Flasche der Pandora, weshalb ich darüber überhaupt keine Worte verlieren will. Folgende aber schon: Wer Descartes‘ „Ich denke, also bin ich“ („sum ergo„) ehrlich verneinen kann, darf sich Nihilist nennen. Nihilisten können an dieser Stelle aufhören zu lesen, der traurige Rest von Ihnen, der in der Illusion des Seins gefangen ist, muss weiterlesen.

Die Sache mit dem Nichts ist in der Tat so vertrackt, dass man noch nicht mal an es, das Nichts, denken kann. Dann kommt einem nämlich die Sache mit dem weißen Elefanten in den Sinn, an den man nicht nicht denken kann, ohne doch an ihn zu denken. In der Folge verknotet auch noch der abstrakte Gedanke an Paradoxe unser Neuronengestrüpp, was wiederum der Vorstellung von dem totalen Nichts im Weg steht. Doch das Nullsujet schlägt noch schlimmer zu – mit Ambivalenz: Für die Nullinger unter uns gibt es nämlich eigene Nullmarken, z.B. Zero Coke, Zero Mode und Zero Runner, was die Existenz des Nichts beweist. Dies leistet auch der Umstand, dass wir und alles in und um uns aus dem Nullstoff der praktisch leeren Atome bestehen. Gegenbeweis: Die Natur hat uns dennoch mit dem Bedürfnis, etwas zu sein, ausgestattet. Dies macht die Natur zur Bitch – und uns am Ende des Tages, Synthese!, zu Seminullen (1/2 x 0).

Mit der Bewältigung dieses Textes, liebe Freunde des Nichtssagenden, verstehen Sie jetzt hoffentlich endlich, a) wie verteufelt schwer sich so eine inhaltslose Kolumne wegschreibt, und warum ich b) die Arbeit meiner werten Kollegen so bewundere. Nun widme ich mich wieder dem den handfesten Belangen meiner Frauen, um den Kopf für Sie wirklich leer frei zu bekommen. Vielleicht mag auch die eine oder andere von Ihnen dabei behilflich sein?

Mit nichtigen einigen Grüßen,
Ihr Columnier

 

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