Besser leben mit Golden-Age-Syndrom

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Goldige Leser!

Wir leben in Zeiten, die es uns ermöglichen, unsere Erinnerungen nach Belieben zu verschönern und mit dem Vintage-Filter des wishful thinking in die schönsten, nie dagewesenen, Retrofarben zu hüllen. Benefit: Positiv gefärbte Erinnerungen schenken uns Glück im Hier und Jetzt, wie Positivpsychologen und der Universalgelehrte Dr. Hirschhausen bestätigen. Das selbstgemachte Glück, der positive Relaunch der Vergangenheit gelingen dabei umso besser, je schlechter die Gegenwart performt!

Allgemein müssen wir zum Glücklichsein das Neuronenfeuer in unserem Oberstübchen mit warmen Impulsen anheizen. Wir sind nämlich nur das, was wir denken, glauben, hassen lieben. Ich zum Beispiel bin qua Nachkolorierung meiner Vergangenheit eine intellektuelle Größe, ein Sternekoch der Premiumsprache und ein Kolumnist Columnier, der weiß, welche Gedanken ihnen gut tun. Zum Beispiel der: Pessimisten haben sich einen perfiden Begriff ausgedacht, um Positivisten wie mich zu dissen diskredieren, ja: zu pathologisieren. Diese Negativisten klatschen unsereins, manipulierbare aufgeschlossene Leserschaft, das Etikett „Golden-Age-Syndrom“ an die Stirn. Dabei hört sich „Syndrom“ viel besser an als „Krankheit“, schwingt doch in „Syndrom“ der Reiz des unbekannten Terrains eines frisch entdeckten Symptomkonglomerats mit. Merken Sie was, zwinker?

Wer sich dagegen dem Golden-Age, der Ex-post-Heilung Berichtigung der Vergangenheit verweigert, bleibt unweigerlich ein Sauertopf und Trauerkloß in Leberwurstsoße. So jemand trägt mental einen anal-plug Stock im Arsch. Zum Beispiel will uns der Schafschwärzer Glücksverleugner Dietmar Wischmeyer weismachen: „Früher war es anders scheiße“. Dies wäre einfach zu widerlegen; cooler ist es freilich, zu sagen: Wischmeyer hat recht, aber anders als er denkt! Früher konnte man nämlich Scheiße viel schwerer in Gold verwandeln. Alchemie war noch kein Studienfach, sondern Beruf der Hexen, die man bekanntlich ihren Job nicht ungestört hat machen lassen. Heute gibt es Biogas, Bohlen u.v.m.

Das Golden-Age-„Syndrom“, liebes Publikum mit Alter, optimiert unsere Geschichte, macht sie im Perfekt perfekt: Alles ist super gewesen! Betroffene Begünstigte im fortgeschrittenen Stadium auf Experten-Level mögen sogar die 1980er – eine Dekade, die sich für Außenstehende als Prügelstrafe für Augen und Ohren darstellt. Und wo das Bewusstsein das Sein macht, wer hat tatsächlich die beiden Weltkriege gewonnen, hm? Da staunen Sie jetzt, was? Mit dieser simplen Einsicht hätte es keinen Guido Knopp gebraucht, der uns auch noch eingeredet hat, dass Hitler ein Nazi war.

Jetzt mag der notorische Mitdenker unter Ihnen dazwischen grätschen: Was nützt es den Menschen in der Vergangenheit, wenn es uns erst heute gelingt, die alten Zeiten zu heilen? Knoten in Zeitschleifen und so. Und was bringt es, wenn heute erst morgen gut ist? Ganz einfach: Dies dient der Zukunftssicherung. Damit die nächste Generation etwas zum Schöndenken hat, wie sollten die heutigen Zeiten demzufolge sein? Na, schnackselt schnackelt es in Ihrem Hirnkastel? Welche Verschwendung wäre es also, unsere Energie für die sog. Realität auszugeben, wenn wir uns kraft unseres Brains eine andere viel einfacher schaffen können („Pippi-Langstrumpf-Prinzip“).

So! Die mit-nach-Hause-nehm-Botschaft dieser Lektion habe ich im Tempus des Futur II verfasst, welches auf dem Perfektum aufbaut: Die heutigen Zeiten werden gut gewesen sein!

Optimistisch aus Zukunftserwartung:
Ihr Columnier

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