Der Columnier: Intellekt ist suspekt!

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Schlaue Leser!

Der Intellektuelle Volksmund weiß: Hochmut kommt vor dem Fall! Und ein Fall macht noch keinen Tatort! Mit dieser Einsicht ist der Volksmund, zugegeben, auch ein wenig klug. Dafür braucht er aber keinen hochmütigen Intellekt, vulgo: Hirn, ihm reicht das Äußere der Stirn, um nach dem Fall den Schmerz zu erfahren. Dem normalen Menschen genügen die Augen, um zu sehen, dass sein Sturz nicht im Tatort übertragen wird. Der Blumenkohl unter der Schädeldecke sagt ihm, dass er Fleisch lieber mag als Gemüse.

Wie einst die Schlange die Sünde in die Welt brachte, so bringt uns heute der Intellektuelle sogar den Weltuntergang. Brauchen wir den? Macht es unser Einkaufen, unseren Malediven-Urlaub angenehmer, wenn wir wissen, dass wir das Ende einer Hochkultur erleben? Sollte man nicht stattdessen die Dinge umso mehr genießen, solange es sie noch gibt?

Für diesen Gedanken aber entschuldige ich mich sogleich. Nicht für dessen Inhalt, sondern für den Gedanken ansich. Und schicke diese Entschuldigung einem weiteren Geistesblitz voraus, der leider notwendig ist, aber Sie, liebe Leser, intellektuell entlasten wird: Klugscheißerei ist schon namentlich kacke, da man gar nicht auf kluge Weise scheißen kann!

Ungezählte meiner Kollegen Kolumnisten, liebe Leser, verzichten seit jeher auf Intellekt. Ich schließe mich ihnen an, indem ich diese Behauptung nicht mit Namen belege. Denn wer braucht schon Oberstübchen-Gymnastik, wenn er im Fitness-Studio den Kopf frei von Gedanken kriegen kann? Wer im Glashaus sinniert, dem bringen nichtmal Scherben Glück.

Zuletzt gebe ich Ihnen eine Frage mit, über die Sie nicht nachdenken sollten: Ist neunmalklug schlimmer als siebengescheit? Seien Sie auf jeden Fall achtsam, wenn sich in Ihnen ein Gedanke regt!

Ihr brainskeptischer Vordenker
Michael Höfler

Documenta – Kunst richtig erklärt

Der Columnier: demonstrieren, aber siegerorientiert!

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Liebes Demo-Volk!

Nach gutem Kolumnistenbrauch muss ich Dich gleich belehren darauf hinweisen, dass sich „Demonstration“ vom lateinischen „demonstrare“ für „hinweisen“ ableitet. Wenn Du, Volk („demos“), also auf die Straße gehst, weist Du damit auf etwas hin. Beispielsweise auf den Schildermangel im deutschen Straßenwesen („Schilderwald-Sterben“). Unsere Volksvertreter („Demoskopen“) bezeichnen deshalb einen Teil von Dir als „Schildbürger“. Wenn ein Bürger Deiner einem Gesetzesbeauftragten der Polizei eine aufstreicht (oder umgekehrt), und ein Flashmob sich zusammen und dies lustig findet, spricht mal vom „Schildbürger-Streich“.

Nachdem ich Dir nun, gemeines Volk, diese Begriffe auseinandergesetzt habe, kann ich mit etwas ganz anderem fortfahren. Mit der Historie nämlich, ohne die wir uns jetzt nicht als Kolumnengeber und -nehmer begegnen würden  ich Folgendes jetzt nicht anbringen könnte: 1989 haben die tapferen Ostdeutschen um den Autonomen Joachim Gauck zwar als allerletztes Volk des Ostblocks und auf Befehl des an die BRD verkauften Schlagerstars Wolf Biermann, aber gegen die Massenerschießungen in der DDR protestiert. Das Erinnern an das ausgebliebene Demogeld damals sollte allen Weltuntergangs-Skeptikern, die heute gegen G20 demonstrieren, eine Mahnung sein. Eine Mahnung, dass man nicht für oder gegen irgendetwas demonstrieren sollte, bloß weil man sich eine entsprechende Überzeugung eingefangen hat und eine sog. „Haltung“ einnehmen möchte (siehe Haltungsschäden)!

Stattdessen muss siegerorientiert demonstriert werden! Sollte Putin sich beim G20-Turnier um die Weltherrschaft durchsetzen, für Putin; sollte Trump obsiegen, für Trump; sollte Erdogans Säbel den Konkurrenten den entscheidenden Nadelstich versetzen, für Erdogan. Ist gar nicht so schwer, was? Und wer auf Merkel setzt, wird mit den deutschen Cops eine gute Zeit haben, braucht nicht wie ein mobiler Höhlenmensch zu zelten. Antideutsch kann man auch noch sein, wenn wir den dritten Weltkrieg verloren haben! (Und ja: die kleineren Turniere G7, G8 und G9 sind besser, weil da keine Despoten aus der zweiten Liga Welt mitbattlen dürfen.)

Es verhält sich schlussendlich genauso wie im Fußball: Wer FC-Bayern-Fan ist, darf sich immer über einen Sieg freuen. In diesem Sinne wünscht Dir siegreiche und friedfertige  Tage in Hamburg:
Dein Michael Höfler

Der Columnier: welche Chancen der Weltuntergang bietet

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Mensch, Menschheit!

Tragödien machen uns seit jeher auch Freude. Denken wir nur ans Theater und die diebische Schadenfreude, die uns tragische Helden wie Faust oder der Räuber Hotzenplotz bereiten. Doch auch im real life gilt: Jeder Katastrophe liegt ein Zauber inne. So zaubert der „Berliner Kreis“ der CDU  die ökologische Multikrise des Planeten mit dem Argument weg, dass Mutter Erde uns mit ihrem Befinden „moralisch erpresse“.  Oder denken wir ungefähr hundert Generationen weiter, wenn die dann übrigen Menschen analysieren werden, was Trump für ein komischer Vogel gewesen sein mag. Und ob es uns damals, also heute, wohl Spaß bereitet habe, durch seine Wahl das sapiens in „homo sapiens“ einfach mal testweise wegzulassen – um auszuprobieren, ob es unser Klima wirklich ernst meint mit seiner Erpressung. Ob wir wirklich so einen unübersichtlichen Artenzoo benötigen u.u.u.

Jetzt werden Sie sich mich fragen, welche Chancen so ein Weltinferno nun konkret bietet – außer Naheliegendem wie Bars mit Bioeis-Cocktails in der (Ant-)arktis. Ich verrate es Ihnen, weil Sie eh alles weglesen, was ich schreibe: Stephen Hawking hat vorgeschlagen, dass wir uns einen anderen Planeten suchen sollen; schließlich wissen wir ja bereits, wie man einen bewohnbaren Himmelskörper kaputtmacht. Die Weltraumreisen, die das erfordert beschert, mögen Psychologen bald als sekundären Katastrophengewinn bezeichnen. Viel wichtiger sind aber die Vorzüge der allzu kurzsichtig als „Zerstörung“ diskreditierten Gesundschrumpfung von Fauna, Flora, Bodenschätzen und wuchernden Vintage-Naturparks. Es ist so wie das Ausmisten Ihres Hausstands, praktisch denkende Leser: Am Anfang tut es weh, Dinge, Accessoires, Haustiere abzugeben. Aber sobald Ihr Besitz auf das Nötige eingedampft ist, kennen Sie sich viel besser mit Ihrem Gelumpe Ihren Habseligkeiten aus, können jedes einzelne Requisit besser genießen. Global verpflichtet uns das Eigentum unseres überkomplexen Planeten unnötigerweise. Die bevorstehende Entrümpelung wird uns jedoch in dem Maß entlasten, wie wir diesen Besitz loswerden! Gleiches gilt sogar moralisch, wenn es uns gelingt, uns von der Last moralischen Ballasts zu trennen.

Kognitive Ökonomie, die Kunst des Weglassens von Gedanken, liebe Leser, hat uns diesen Weg aufgezeigt. Denken Sie mal drüber nach bzw. tun Sie dies nicht!

Verzichten Sie im Sinne der Ökonomie auf jede Lektüre, aber lesen Sie weiter bei:
Ihrem Michael Höfler