An haarigen Themen kein gutes Haar lassen

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Haariges Publikum!

An Tagen wie diesen gibt es Themen, noch ehe ich meine morgentliche Kopfhautmaske übergezogen aufgetragen habe. Da verlangen Menschen wie Sie meinem Gehirn schon Antworten ab, dabei backflashen in meinem Kopf noch die feuchten Träume der Nacht.

Doch lassen Sie mich erstmal in guter Kolumnistenmanier mit einer redundanten Zusammenfassung der letzten Tage Zeilen schinden: Trump hat der Kapelle Scooter mit atomarer Vergeltung für deren Konzert in der Krim gedroht. Eine verirrte nordkoreanische Rakete hat schiffbrüchigen Identitären den Fluchtweg nach Afrika gewiesen. Schließlich wollte Mehmet Scholl nicht über Leo Fischers gedopten Twitterauftritt im Auftrag des Zeit-Magazins sprechen.

An dieser Stelle, wo mir noch das Sandmännchen-Streu in den Augenwinkeln klebt (15h), keine Meinung von mir dazu, dafür eine sinnlos eingestreute Anekdote (erfunden): Ich verweigerte mich bereits 1978 dem Gespräch über Doping, als mir meine Eltern vor der Schule gewaltsam das Flüssig-Eisen Sanostol applizierten, und ich beim Schlucken kein Wort herausbekam.

Jetzt aber noch die Meinung, zu der Sie mich qua Lesen dieses Textes nötigen: Schiffbruch, leichtmatrosige Leserschaft, ist kein Schiffbruch, wenn das Schiff nicht im Wortsinne bricht. Mitunter bricht sich nur eine Welle an einem Luxusliner, es erbricht sich jemand ob des Überangebots an Speisen; oder Passagiere erleiden schlechter Coiffeure wegen Haarbruch, was die Stimmung an Bord in Schieflage bringt.

Haarige Themen gehen, wenn man sie umschifft. Haarig sein, das dürfen dagegen immer die Namen von Frisurinstituten. Sowie Frauen und Männer untenrum, wenn’s dem Partner gefällt. Auch Wortspiele, aber nur, wenn es sich um Scrabble handelt.

Hat jetzt die Haare trocken und Besseres zu tun als haarige Texte herzustellen:
Ihr Columnier

Diesel-Jeans aus Solidarität fürs deutsche Auto

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Liebe Automobilisten!

Unser Auto ist bedroht, sein Image angekratzt wie Bugatti-Lack von einem Autoschlüssel, sein Lebensraum gefährdet von Green Economy und Straßenbegrenzung. Dazu all die Schlaglöcher, die die Kollegen mit ihrer Tastatur in die Debatte hauen (und die ich jetzt zur leichteren Argumentation umsteuere). Ja, VW, Daimler und Co. haben es nicht leicht in diesen Tagen. Dabei haben sie erfolgreich kooperiert statt dem angeblichen Kapitalismus-Muster des „jeder gegen jeden“ zu entsprechen. Die gesetzliche Abgasbremse haben sie flexibel interpretiert und dazu den Innovationsmotor flexibler Software eingesetzt. Jetzt verhalten sich die Pkw-Vorstände solidarisch, indem sie gemeinsam zur Verantwortung, auf dem Sauwagen durch den medialen Shitstorm gezogen werden. Glatt so, als wäre ein SUV für die Fahrt durch den Dreck gebaut!

Schon seit langem widersetzen sich Zetsche, Müller und Co. heroisch dem internationalen Diktat nach kommunistisch angehauchtem Car-Sharing und slowen E-Cars. Technologiefeindliche Retroansätze, die Ihren, liebe Leser, Fahrspaß ausbremsen und gar Robotern überlassen sollen (als könnten die das Steuern eines Autos genießen!). Wussten Sie schon, dass die Software von Fahrrobotern auf Langsamfahren manipuliert ist?

Die unselige Begriffsehe zwischen „Automobil“ und „autonom“ gehört geschieden. Denn das Auto ist von jeher nicht automatisch mobil, sondern nur kraft der Lenkkompetenz seines Fahrers. Das lässt sich auch durch die ganze Bordelektronik des 21. Jahrhunderts nicht wegbehaupten, kitzelt die doch bloß das beste aus Ihrer Fahrkunst, lieber Leser, heraus. Dagegen handeln die „Autonomen“, die Autoschänder, mitnichten aus Auto-Nomie, sondern aus dem Ökoantrieb des Autohasses – und weil sie von der Hipster-Industrie des Pflastersteinbaus dafür bezahlt werden!

Fazit: Mobilität ist ohne sog. Rasen nicht zu machen und Schnelligkeit nicht mit einem  Speedlimit. Deutschland ist Auto! Und dieser Text Vehikel zur Bezahlung meines Leasingwagens.

Tragen Sie wenigstens aus Solidarität Diesel-Jeans!
Ihr Columnier

Intellekt ist suspekt!

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Schlaue Leser!

Der Intellektuelle Volksmund weiß: Hochmut kommt vor dem Fall! Und ein Fall macht noch keinen Tatort! Mit dieser Einsicht ist der Volksmund, zugegeben, auch ein wenig klug. Dafür braucht er aber keinen hochmütigen Intellekt, vulgo: Hirn, ihm reicht das Äußere der Stirn, um nach dem Fall den Schmerz zu erfahren. Dem normalen Menschen genügen die Augen, um zu sehen, dass sein Sturz nicht im Tatort übertragen wird. Der Blumenkohl unter der Schädeldecke sagt ihm, dass er Fleisch lieber mag als Gemüse.

Wie einst die Schlange die Sünde in die Welt brachte, so bringt uns heute der Intellektuelle sogar den Weltuntergang. Brauchen wir den? Macht es unser Einkaufen, unseren Malediven-Urlaub angenehmer, wenn wir wissen, dass wir das Ende einer Hochkultur erleben? Sollte man nicht stattdessen die Dinge umso mehr genießen, solange es sie noch gibt?

Für diesen Gedanken aber entschuldige ich mich sogleich. Nicht für dessen Inhalt, sondern für den Gedanken ansich. Und schicke diese Entschuldigung einem weiteren Geistesblitz voraus, der leider notwendig ist, aber Sie, liebe Leser, intellektuell entlasten wird: Klugscheißerei ist schon namentlich kacke, da man gar nicht auf kluge Weise scheißen kann!

Ungezählte meiner Kollegen Kolumnisten, liebe Leser, verzichten seit jeher auf Intellekt. Ich schließe mich ihnen an, indem ich diese Behauptung nicht mit Namen belege. Denn wer braucht schon Oberstübchen-Gymnastik, wenn er im Fitness-Studio den Kopf frei von Gedanken kriegen kann? Wer im Glashaus sinniert, dem bringen nichtmal Scherben Glück.

Zuletzt gebe ich Ihnen eine Frage mit, über die Sie nicht nachdenken sollten: Ist neunmalklug schlimmer als siebengescheit? Seien Sie auf jeden Fall achtsam, wenn sich in Ihnen ein Gedanke regt!

Ihr brainskeptischer Columnier

Documenta – Kunst richtig erklärt

Demonstrieren, aber siegerorientiert!

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Liebes Demo-Volk!

Nach gutem Kolumnistenbrauch muss ich Dich gleich belehren darauf hinweisen, dass sich „Demonstration“ vom lateinischen „demonstrare“ für „hinweisen“ ableitet. Wenn Du, Volk („demos“), also auf die Straße gehst, weist Du damit auf etwas hin. Beispielsweise auf den Schildermangel im deutschen Straßenwesen („Schilderwald-Sterben“). Unsere Volksvertreter („Demoskopen“) bezeichnen deshalb einen Teil von Dir als „Schildbürger“. Wenn ein Bürger Deiner einem Gesetzesbeauftragten der Polizei eine aufstreicht (oder umgekehrt), und ein Flashmob sich zusammen und dies lustig findet, spricht mal vom „Schildbürger-Streich“.

Nachdem ich Dir nun, gemeines Volk, diese Begriffe auseinandergesetzt habe, kann ich mit etwas ganz anderem fortfahren. Mit der Historie nämlich, ohne die wir uns jetzt nicht als Kolumnengeber und -nehmer begegnen würden  ich Folgendes jetzt nicht anbringen könnte: 1989 haben die tapferen Ostdeutschen um den Autonomen Joachim Gauck zwar als allerletztes Volk des Ostblocks und auf Befehl des an die BRD verkauften Schlagerstars Wolf Biermann, aber gegen die Massenerschießungen in der DDR protestiert. Das Erinnern an das ausgebliebene Demogeld damals sollte allen Weltuntergangs-Skeptikern, die heute gegen G20 demonstrieren, eine Mahnung sein. Eine Mahnung, dass man nicht für oder gegen irgendetwas demonstrieren sollte, bloß weil man sich eine entsprechende Überzeugung eingefangen hat und eine sog. „Haltung“ einnehmen möchte (siehe Haltungsschäden)!

Stattdessen muss siegerorientiert demonstriert werden! Sollte Putin sich beim G20-Turnier um die Weltherrschaft durchsetzen, für Putin; sollte Trump obsiegen, für Trump; sollte Erdogans Säbel den Konkurrenten den entscheidenden Nadelstich versetzen, für Erdogan. Ist gar nicht so schwer, was? Und wer auf Merkel setzt, wird mit den deutschen Cops eine gute Zeit haben, braucht nicht wie ein mobiler Höhlenmensch zu zelten. Antideutsch kann man auch noch sein, wenn wir den dritten Weltkrieg verloren haben! (Und ja: die kleineren Turniere G7, G8 und G9 sind besser, weil da keine Despoten aus der zweiten Liga Welt mitbattlen dürfen.)

Es verhält sich schlussendlich genauso wie im Fußball: Wer FC-Bayern-Fan ist, darf sich immer über einen Sieg freuen. In diesem Sinne wünscht Dir siegreiche und friedfertige  Tage in Hamburg:
Dein Columnier